Hintergrund

Wir alle nutzen Ressourcen: für Ernährung, zum Wohnen, unsere Mobilität, beim Kaufen und Besitzen von Dingen usw. In den Industrie- und zunehmend auch in den Schwellenländern ist das Maß der Ressourcenbeanspruchung häufig weder sozial gerecht noch ökologisch dauerhaft verträglich: Der „Earth-Overshoot-Day“ – das ungefähre Datum, an dem unsere Nachfrage nach natürlichen Ressourcen das Angebot eines ganzen Jahres übersteigt und damit auch die Kapazitäten unseres Planeten, alle konsumierten Ressourcen abzubauen und zu erneuern – rückte in den letzten Jahren immer weiter nach vorn. Im Jahr 1987 war er Mitte Dezember erreicht, 2013 schon am 20. August. Hinzu kommen die unwiederbringlich aufgezehrten nicht-erneuerbaren Ressourcen.

Ein Treiber dieser Entwicklungen ist das hohe Konsumniveau in den industrialisierten Staaten. Zur Lösung dieses Problems dominierten bislang Konzepte zur Steigerung der technischen und wirtschaftlichen Effizienz, wie Verdopplung der Rohstoffproduktivität, Faktor 10 weniger Ressourcenverbrauch oder 100 % Treibhausgasneutralität im Energiebereich. Neben technologischen Veränderungen bedarf eine Transformation solchen Ausmaßes aber auch umfassender sozialer Veränderungen, denn häufig fehlen im öffentlichen Diskurs die Menschen in ihrer lebensweltlichen Realität, die diese Ideen individuell und im gesellschaftlichen Miteinander umsetzen.

Hier setzt das Projekt mit der Entwicklung von Leitbildern für eine solche ressourcenleichte Gesellschaft und der Identifikation möglicher Transformationspfade an.

Vorgehen

1. Hintergrundrecherchen
Die ressourcenleichte Gesellschaft wird begrifflich analysiert und die Erarbeitung von Leitbildern vorbereiten. Beispiele und Bedingungen für Systemsprünge werden herausgearbeitet. Die empirische Erfassung des Ressourcenbewusstseins und seiner Verankerung in der Bevölkerung wird vorbereitet.

2. Entwicklung von Leitbildern
Mithilfe der Szenario-Technik werden zusammen mit gesellschaftlichen Innovator/innen des nachhaltigen Lebens verschiedene Leitbilder einer ressourcenleichten Gesellschaft erarbeitet.

3. Diskussion dieser Leitbilder mit Interessengruppen in der Gesellschaft
In Stakeholder-Workshops werden die entwickelten Leitbilder diskutiert und ausgewertet. Welche Auswirkungen hätten diese beispielsweise auf Unternehmen oder Kommunen? Für wen ergeben sich welche Chancen? Welche möglichen Verlierer müssten aufgefangen werden?

4. Abgleich der Leitbilder mit den Alltagsorientierungen der Bürger/innen
Interviews und Fokusgruppen in unterschiedlichen sozialen Milieus sollen die Frage beantworten, inwieweit die erarbeiteten Leitbilder bereits Eingang in die Alltagsorientierungen der Menschen gefunden haben, beziehungsweise wenn nicht, dort anschlussfähig sind.

5. Zusammenführung und Analyse der Teilergebnisse
In diesem Schritt erfolgt eine Zusammenschau, Prüfung und Kommunikation der entwickelten Ergebnisse. Hierzu gehört auch die Ableitung von (politischen) Handlungsempfehlungen und Lösungsvorschlägen.

Ziele

Das Forschungsprojekt „Erfolgsbedingungen für Systemsprünge und Leitbilder einer ressourcenleichten Gesellschaft“ widmet sich folgenden Fragestellungen:

  • Wie kann eine ressourcenleichte Gesellschaft in Deutschland beschaffen sein?
  • Wie lässt sich ein Transformationsprozess hin zu einer solchen Gesellschaft organisieren? Welche Aspekte existierender Lebensstile sind Treiber oder Hemmnisse für Pfade in eine ressourcenleichte Gesellschaft?
  • Reicht die Zeit für langfristige, schrittweise Veränderungen oder braucht es einen Systemsprung hin zu einer ressourcenleichten Gesellschaft?
  • Auf welche Weise kann eine Gestaltung, Beeinflussbarkeit und Veränderung von Lebensstilen erfolgen und welche spezifischen Implikationen ergeben sich für (politische) Handlungsträger?
  • Welche Implikationen können für die politische Rahmung im Sinne von Programmen hin zu einer ressourcenleichten Gesellschaft entwickelt werden?


Der Fokus des Projektes liegt dabei auf den Veränderungsmöglichkeiten von Lebensstilen und Alltagsroutinen. Können beispielsweise suffiziente Lebensweisen oder eine kreislaufwirtschaftliche Ausrichtung unserer Produktions- und Konsummuster eine umsetzbare Lösung bieten? Und wie können suffiziente Lebensstile mit einer Erhöhung der Lebensqualität einhergehen?

Dabei ist es wichtig, Bürger/innen und Konsument/innen in die Veränderungsprozesse zu einer ressourcenleichten Gesellschaft einzubeziehen, denn nicht selten ist ein Aufbrechen liebgewonnener Verhaltensmuster und gesellschaftlicher Strukturen erforderlich, um die nötigen Weichenstellungen zu treffen.

Auftraggeber

Das Forschungsprojekt „Erfolgsbedingungen für Systemsprünge und Leitbilder einer ressourcenleichten Gesellschaft“ wird im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) durchgeführt.